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Temporäre Unterbringung

Temporäre Unterbringung und Clearing für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge

Mit der großen Flüchtlingswelle Mitte 2015 kamen auch viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UmF), überwiegend männliche Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren, nach Berlin. Zephir gGmbH , damals noch e.V., gehörte als Mitglied der „AG UmF“ zusammen mit zwei weiteren Jugendhilfeträgern in Berlin zu den Ersten, die Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und aus dem afrikanischen Raum in einfachen Hostels, Jugendherbergen und Jugendgästehäusern im Auftrag des Senats betreuen konnten.

Zunächst mussten viele neue Strukturen für die Betreuung der UmF, für die Zusammenarbeit zwischen Landesjugendamt und Jugendhilfeträgern, Krankenkassen, Ärzten, Krankenhäusern, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Polizei, Schulen, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten und vielen anderen Stellen mehr geschaffen werden. Auch über die Jugendlichen selbst, ihre Fluchterfahrungen, ihre Bedürfnisse, ihre zurückgelassenen Familien, ihren Gesundheits- und Bildungsstand, ihre Sprachkenntnisse und vor allem ihre Wünsche und Erwartungen an Deutschland war noch wenig bekannt. Dazu meldeten sich viele Willkommensinitiativen und Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die sofort helfen wollten. Es gab viel zu tun.

Zephir e.V. baute daraufhin einen eigenen Bereich „Flüchtlingsarbeit“ auf und verstärkte sich sehr schnell mit entsprechend qualifizierten Mitarbeitern. Sprachkenntnisse in Farsi/Dari und Arabisch waren für die Flüchtlingsarbeit unabdingbar und Mitarbeiter mit dieser Qualifikation entsprechend gesucht. Im Laufe von 22 Monaten von Mitte 2015 bis Frühjahr 2017 war Zephir allein und in Kooperation mit anderen Trägern an insgesamt fünf unterschiedlichen Standorten in Berlin im Einsatz. Ab 2016 wurde von Zephir auch das sogenannte „Clearing“, eine Befragung jedes einzelnen Jugendlichen zu seiner Herkunft, seiner Familie, seinem Werdegang, seinen Fluchterfahrungen, seinem Gesundheitszustand und anderem mehr durchgeführt, an dessen Ende eine sozialpädagogische Einschätzung stand.

Mehr als 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge konnten so von Zephir in fast zwei Jahren umfassend betreut und nach und nach in stationäre Einrichtungen in den Bezirken verlegt werden. Zwischen ihrem Eintreffen in Berlin und der Zuweisung einer dauerhaften Unterkunft lagen Registrierung bei FSD und LABO, die Altersfeststellung, unzählige Gespräche mit den Betreuern, das Clearing, die Auseinandersetzung mit der deutschen Kultur und Konsumwelt und dem deutschen Essen, Begegnungen mit deutschen Ämtern und Bürokratie, der Besuch einer Willkommensklasse, Deutschkurse, Arztbesuche, ein erster Ramadan außerhalb der Heimat, Stadterkundungen und Ausflüge mit Ehrenamtlichen, der erste, nicht immer erfolgreiche Flirt mit deutschen Mädchen, Partys, Theater- und Tanzangebote, mitunter aber auch Polizeikontakte wegen Drogen, Schlägereien oder anderer Delikte sowie zunehmend Proteste gegen die viel zu lange Wartezeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen, bevor es für die jugendlichen Flüchtlinge in Deutschland endlich vorwärts ging.

Ab Mitte 2016 ging die Zahl der Flüchtlinge durch die bekannten außenpolitischen Maßnahmen und die Verschärfung der Aufenthaltsbestimmungen deutlich zurück. Die vor einem Jahr schnell zur Verfügung gestellten Betten in temporären Unterkünften wurden nun wieder abgebaut. Im gleichen Zug musste die Anzahl der stationären Betreuungseinrichtungen in Berlin weiter aufgestockt werden, um alle Jugendlichen unterzubringen. Auch Zephir ist an einem solchen Projekt beteiligt, das Anfang April 2017 als Kooperationsprojekt von vier Jugendhilfeträgern an den Start ging.

Die letzte temporäre Unterkunft für UmF, die von Zephir gGmbH verantwortlich betreut wurde, schloss Ende März 2017.