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Wo die Haferpflaume wächst

Eingang Sachtlebenstr. 30-32

Wo die Haferpflaume noch wächst…

Die Haferpflaume (Prunus insititia L.), auch „Krete“ genannt, gilt als die Urpflaume und ist in unseren Breiten sehr selten geworden. Aber in Zehlendorf wächst sie – noch!

Vor ca. 25 Jahren brachte sie Dr. Achim Förster auf das Gelände Sachtlebenstraße 30-32 hinter dem Schulungsraum des Freilandlabores. Als Zehlendorfer setzt sich der engagierte Pflanzenkundler in unserer Region über das Museumsdorf Düppel, den Botanischen Verein von Berlin und Brandenburg sowie den Förderverein Landschaftsschutzgebiet Buschgraben/Bäketal schon seit Jahrzehnten aktiv für den Erhalt von alten Pflanzenarten ein. Diese schützenswerte Pflaumensorte hatte Prof. Werner Plarre, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Genetik und Pflanzenzüchtung am Fachbereich Biologie der Freien Universität Berlin, einst auf den Rieselfeldern in Gatow entdeckt. Der Fachmann bezeichnete die Haferpflaume als „bedeutsame pflanzengenetische Ressource“. Bis heute sind die Bäume lebender Zaun für das kleine Grundstück mit dem eingeschossigen Gebäude, das eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich hat.

In den 60er und 70er Jahren wurde das Haus mit dem ausgebauten Gesellschaftsraum im Keller vom jüdischen Sportverein TuS Makkabi als kleines Sportcasino genutzt. Nachdem der Verein ausgezogen war, initiierte die engagierte Nachbarin Christine Paarmann Ende der 90er Jahre dort das „Zukunftshäuschen und Projektwerkstatt Sachlebenstraße“ für Schülerinnen und Schüler und kümmerte sich nebenbei um den kleinen Garten, der an das Gelände des Zehlendorfer Jugendhilfeträgers Zephir gGmbH grenzt. Als das Haus wieder leer stand, hatte Zephir beim rbb-Fernsehen im Rahmen der ZIBB-Aktion „96 Stunden“ Hilfe bei einer möglichen Renovierung des Hauses angefragt. Doch das Projekt wurde abgelehnt. Letzte Versuche von Zephir-Geschäftsführer Dr. Winfried Glück, eine alternative Nutzungsperspektive zu schaffen und das trägereigene Projekt „Essbares Zehlendorf“, ein kleiner Gemeinschafts-Container-Garten auf dem Grundstück Sachtlebenstraße 36 durch das Nachbargrundstück zu erweitern, schlugen ebenfalls fehl.

Noch stehen die weißen Außenmauern, das Dach ist eingefallen, der Garten zugewachsen und verwildert. Hineingegangen ist wohl schon langer keiner mehr. Die übrig gebliebenen Reste des Hauses dienen nur noch den Ratten als Unterschlupf. Der Bezirk versucht der Rattenplage in regelmäßigen Abständen Herr zu werden, ohne nachhaltigen Erfolg. Pläne zum Abriss des maroden Gebäudes und einer neuen Nutzung kommen seit Jahren nicht voran. Das brachliegende Grundstück und die Ratten sind zum Ärgernis für die Nachbarschaft geworden.

Der Runde Tisch Zehlendorf fordert nun einen zügigen, umsichtigen Abriss des Gebäudes, um wenigstens die schützenswerte Bepflanzung – insbesondere die seltenen Haferpflaumen – noch zu retten. Bei Konzepten zur nachfolgenden Nutzung des Geländes muss der Erhalt der Bäume, insbesondere der Haferpflaume, nach Ansicht der Mitglieder des Runden Tisches Zehlendorf zur Bedingung gemacht werden.

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